18 Jahre lang war Marion Lennarz für ihre Kunden da. Kochte Kaffee, brutzelte Würstchen, frittierte Pommes. Von Marion Steeger
Die 55-Jährige war die gute Seele vieler Mitarbeiter bei Post, Deutscher Welle und UN. Doch jetzt steht sie vor den Trümmern ihrer Existenz! An meinem Kiosk wurden sogar Ehen geknüpft“, erzählt Lennarz. Aber mit einem bitteren Lächeln.
Am Freitag muss sie weg sein
Denn jetzt ist alles vorbei: „Anfang der Woche war ein Mitarbeiter des Liegenschaftsamtes bei mir und hat erklärt, dass ich bis nächste Woche Freitag räumen muss.“ In nur knapp zwei Wochen muss sie den Kiosk samt Inneneinrichtung, das Vorzelt, eine Handvoll Tische und Stühle unterhalb des Posttowers entfernen. Wie sie das schaffen soll, weiß die bescheidene Frau noch nicht genau.
Probleme mit dem Kanal
Hintergrund des Kiosk-Dramas: Anfang 2017 flatterte der 55-Jährigen völlig überraschend die erste Kündigung ins Haus. Vorher war ihr Pachtvertrag mit der Stadt problemlos Jahr für Jahr verlängert worden. Doch dann fiel den Beamten im Stadthaus auf, dass die Abwässer des Kiosk nicht ordnungsgemäß in der Kanalisation landeten – sondern ungeklärt im Rhein. Was Marion Lennarz nicht wusste.
Stadt Bonn bleibt stur
Ab diesem Zeitpunkt brachte sie das Spülwasser per Hand zum Gully, fing das Fritteusen-Fett auf, ließ es entsorgen. Und versuchte mit der Stadt zu verhandeln, wollte sogar die Kosten für den 10.000 Euro teuren Kanalanschluss übernehmen. Keine Chance.
Ratsmehrheit fühlt sich nicht zuständig
Herbert Kaupert von der CDU erfuhr von dem Fall, versuchte zu helfen. Das Kiosk-Drama wurde Thema in der Bezirksvertretung Bonn. Die forderte die Verwaltung auf, mit Marion Lennarz nach einer Lösung zu suchen. Nichts passierte. Bis letzten Dienstag. Statt der Verwaltung in der Sitzung der Bezirksvertretung die Leviten für ihre Untätigkeit zu lesen, beschlossen SPD und Grüne, dass das Kiosk-Drama „Geschäft der laufenden Verwaltung“ sei. Folge: Marion Lennarz steht ab nächstem Freitag vor dem Nichts.
Scharfe Kritik
CDU-Ratsherr Kaupert ist entsetzt: „Das Verhalten der Stadtverwaltung ist unangemessen und nicht nachvollziehbar. Es ist traurig, wie in Bonn mit Kleingewerbe-Betreibenden umgegangen wird.“ Schockiert ist Kaupert auch darüber, „wie sich die Mehrheit der Bezirksvertretung der Verantwortung entledigt hat“. EXPRESS fragte bei der Stadt nach, warum man mit Marion Lennarz keine Lösung gefunden hat, warum der Standort des Kiosks so „brisant“ ist. Doch die Verwaltung wollte zu den Hintergründen des Kiosk-Dramas nichts sagen. Das sei nicht öffentlich.
Rätsel um zweiten Kiosk
Übrigens: 100 Meter weiter steht Richtung Langer Eugen ein weiterer Kiosk. Auch hier gibt es Kaffee, werden Pommes zubereitet. EXPRESS fragte bei der Stadt nach, ob der denn an die Kanalisation angeschlossen sei. Antwort: Nein! Denn hier handele sich um einen Imbiss ohne geschlossene Gastronomie mit Sitzplätzen – also ohne Vorzelt. Da sei keine Abwasserleitung vorgesehen…
Source: FOCUS Online by FOCUS NWNOA/Kölner Express
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